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Was sind dramaturgische Mittel? – Liste, Beispiele & Wirkung

  • by Anatoli Bauer

Egal ob Romane, Spielfilme oder Theaterstücke, sie alle werden mithilfe von dramaturgischen Mitteln gestaltet. Die Hauptaufgabe der Dramaturgie ist es, die bestmögliche Erzählung einer Geschichte zu ermöglichen. Dramaturgische Mittel greifen dabei also in die Handlung, zum Beispiel von ein. Dabei bedienen sie sich verschiedener Mittel und Werkzeuge.
Diese helfen dem Verfasser, die Aufmerksamkeit der Zuschauer oder Leser zu gewinnen.

Seit wann gibt es dramaturgische Mittel?

Die Anfänge der Dramaturgie reichen im weiteren Sinne zurück bis in die griechische Antike. Gelingt es einem Film, oder Theaterstück, die Mehrheit seiner Zuschauer zu erreichen, funktioniert seine Erzählstruktur. Das war schon früher so und gilt auch heute noch. Bereits das antike Drama hatte strenge formale Regeln für das Ausgestalten einer Handlung. Noch heute gilt Aristoteles als einer der Väter der Dramaturgie, der in seiner „Poetik des Aristoteles“ alle dramaturgischen Elemente zum Schreiben eines Dramas beschrieben hat.
Aristoteles Regeln der Dramaturgie sind noch immer gültig, heutige dramaturgische Stücke beschreiben die gleichen Sachverhalte lediglich in anderen Worten.

Was sind denn nun dramaturgische Mittel?

Im Folgenden sind einige Beispiele für dramaturgische Mittel aufgelistet.

1. Überraschung

Einfach, aber effektiv. Die Funktionsweise der Überraschung funktioniert fast immer und ist aus keinem Film oder Theaterstück wegzudenken. Dabei geht es nicht nur um überraschende inhaltliche Wenden im Plot (z. B. der Hauptverdächtige ist gar nicht der Mörder), sondern es zählt bereits der abrupte Schnitt auf eine andere Szene. Beliebt ist dieses dramaturgische Mittel auch in Krimis oder Horrorfilmen: Das Opfer ist dem Mörder scheinbar entkommen, als dieser plötzlich aus einem Schrank springt.

2. Wendepunkte

Eines der beliebtesten dramaturgischen Mittel ist der sogenannte „Plot point“, also der Wendepunkt. Ein Wendepunkt lenkt eine bestehende Handlung durch neue Informationen oder unvorhergesehene Ereignisse in eine neue Richtung. Ein Beispiel ist die Offenbarung Darth Vaders an Luke in Star Wars: „Ich bin dein Vater.“

3. Kontraste und Gegensätze

Groß gegen klein, stark gegen schwach, David gegen Goliath. Gegensätze sind ein Mittel, um die Figur oder ein Handlungselement mit etwas zu vergleichen und in Relation zu stellen (z. B. der müde alte Mann und seine lebendige kleine Enkelin)
Kontraste wecken bei Lesern und Zuschauern Neugierde, im besten Fall gewinnen sie den Wunsch nach einer Erklärung.

4. Verzögerung, auch bekannt als retardierendes Moment

Ein retardierendes Moment ist eine Szene in der Handlung, die nach einem Höhe- oder Wendepunkt das Ende einer Handlung in die Länge zieht. Dies ist möglich, indem für kurze Zeit einen anderer möglicher Handlungsausgang suggeriert wird. Der Leser oder Zuschauer weiß also, was kommen wird – doch plötzlich kommt dem unabänderlichen Geschehen etwas in die Quere, was das, was passieren wird, verzögert. Ein Beispiel sind Verfolgungsjagden: Der Verfolger hat den Helden fast geschnappt, der Abstand verringert sich Meter um Meter, da taucht plötzlich eine Geheimtür auf und der Held entwischt.

5. Die Unwissenheit der Protagonisten

Der Wissensvorsprung zwischen Publikum und Protagonist ist ein weiteres wichtiges dramaturgisches Mittel. Wenn Zuschauer und Hauptdarsteller in der gesamten Handlung gleich viele Informationen, also den gleichen Wissensstand haben, entsteht kein Wissensgefälle, die Handlung ist also schlicht langweilig.
Leser und Zuschauer wollen aufgeklärt, überrascht oder informiert werden. Niemand sieht sich einen Film an oder liest ein Buch, das ihm keine neuen Erfahrungen oder Erkenntnisse bietet.
Es ist spannender, wenn Leser oder die Kinobesucher, einen Wissensvorsprung vor der Hauptfigur besitzen:
Man bangt zum Beispiel, ob die Hauptfigur es schafft, eine Gefahr rechtzeitig zu bemerken. Oder manchmal wird der Leser neugierig auf etwas gemacht, das zum Ende des Buches kommt.

Ein Beispiel: Ohne das Vorwissen, dass ein Opfer in einem Kriminalfilm gleich erschossen wird, erschrickt man über die Tat. Dieser Schrecken (Überraschungseffekt, siehe Nr.1) hält eine kurze Zeit lang. Weiß man als Zuschauer aber, dass es passieren wird, fragt man sich die ganze Zeit wann, und fiebert dem Moment entgegen.
Wenn möglich, sollte der Leser oder Zuschauer also mehr wissen als die handelnden Personen im Buch oder Film (mit Ausnahme des Überraschungseffekt).