Skip to content
Inhaltsangaben24.com » Textanalyse » Loreley – Inhaltsangabe & Interpretation – Beispiel

Loreley – Inhaltsangabe & Interpretation – Beispiel

Loreley - Inhaltsangabe & Interpretation

Die Lorelei

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Inhaltsverzeichnis (bitte aufklappen)

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe
Er schaut nur hinauf in die Höh´.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

Das Gedicht mit dem Titel “ Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ von Heinrich Heine thematisiert die sagenumwobene Legende der Lorelei. Es entstammt der Epoche der Romantik und enthält eine Vielzahl romantischer Elemente. So ist beispielsweise das Gefühl die wichtigste menschliche Fähigkeit, die die menschlichen Schicksale prägt und das individuelle Handeln der Menschen bestimmt. Überwältigt von ihren Empfindungen und Gefühlen neigen sie dazu die Welt zu poetisieren bzw. zu romantisieren und getrieben von ihrer Sehnsucht nach einer idyllischen Natur der Wirklichkeit zu entfliehen. Die Sehnsucht; das dominante Gefühl der Romantik, ist ein erstrebenswerter Zustand, da sie die Lebendigkeit des menschlichen Lebens symbolisiert.

In dem Werk Heines “ Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ besitzt die Sehnsucht einen zerstörerischen Charakter, da sie die Menschen “ mit wildem Weh“ ( V.18) ergreift, sie ihrer selbst entmündigt und sie an den Abgrund ihres Daseins drängt. In diesem Kontext fungiert die Sehnsucht als todbringende Emotion, die den Mensch sich seiner Selbst entfremden lässt und ihm den Weg in den Tod ebnet.

Die in dem Gedicht thematisierte Legende der Lorelei besitzt einen zeitlosen Charakter, da Schönheit seit jeher Macht bedeutet und schönen Menschen die Fähigkeit zur Manipulation ihrer Mitmenschen zugesteht. Gemäß der Devise; “ Schönheit ist eine Göttin. Und wir sind die Untertanen“, sensibilisiert die Legende der Lorelei dafür, wie zerstörerisch die Sehnsucht nach perfekter und makelloser Schönheit daherkommt und was sie mit denen anstellt, die sich von ihr uneingeschränkt leiten lassen.

Das Gedicht, das von der Legende der Lorelei erzählt, die als Allegorie auf die Gier nach maßloser Schönheit zu verstehen ist, zeigt die formalen Merkmale eines Volkliedes mitsamt 6 Strophen zu je 4 Versen. Als Metrum dient ein 3-4- hebiger Jambus. Die Verse folgen dem Reimschema abab ( Kreuzreim). Die Kadenzen des Gedichtes sind unregelmäßig.

Angeregt durch seine depressive und verwirrte Gemütslage verliert sich das lyrische Ich in Erinnerungen an die “ schaurig-schöne“ Legende der Lorelei ( V.1-2). Dieses “ Märchen aus alten Zeiten“, fesselt sein Wesen und scheint ihm einfach “ nicht aus dem Sinn“ zu kommen ( V.3-4). Das lyrische Ich kreiert ein zauberhaftes, idyllisches Szenario, indem es die Welt mit Hilfe seiner intensiven Naturwahrnehmungen poetisert, und das weltliche Geschehen auf dieses reduziert. Die “ kühle“ Luft und der sich ( ver-) “ dunkelnde“ Horizont hüllen die Landschaft in einen geheimnisvollen Mantel aus Mystik ( V.5). Unbeeindruckt dessen, unter dem Schutze der personifizierten, im Abendsonnenschein funkelnden Berggipfel “ fließt der Rhein“ in seinem Flußbett ( V. 6-8).

Das lyrische Ich intensiviert die Schilderung seiner Natureindrücke mit Hilfe der Personifikation“ Der Gipfel des Berges funkelt/ Im Abendsonnenschein“ ( V. 7-8), die das Ereignis des Sonnenuntergangs beschreibt und dessen Schönheit unterstreicht. Der Sonnenuntergang, dem Mensch und Tier gleichermaßen fasziniert beiwohnen, verleiht der Sonne und der von ihrer beschienen Objekte durch ihre Reflektion im Abendlicht einen wertvollen und edlen Charakter. Inmitten diese wunderschönen Naturschauspiels “ sitz(e)t die schönste Jungfrau“; die Lorelei ( V.9), deren maßlose Schönheit die Abenddämmerung überstrahlt.

Das lyrische Ich ist der Schönheit der “ schönste(n) Jungfrau“ hoffnungslos erlegen und umschreibt deren Äußeres mit stark positiv behafteten Substantiven, die diese idealisieren. Demnach betitelt das lyrische Ich die Lorelei mit Hilfe des im Superlativ verwendeten Adjektivs “ schönste“ ( V.9) sowie des ebenso positiv behaftetem Substantives “ Jungfrau“ ( V.9) als die “ schönste Jungfrau“, die Reinheit, Tugendhaftigkeit und herausragende Schönheit verkörpert.

Durch den Gebrauch des Adjektivs “ schönste“ ( V.9) hebt das lyrische Ich die uneingeschränkte Schönheit der Lorelei hervor, die sich weder anfechten noch bezweifeln lässt. Gemäß der Wahrnehmung des lyrischen Ichs ist die Lorelei ein Wesen mit “ goldenem Haar“ ( V.12) und engelsgleicher Schönheit. Eine “ wundersame , gewaltige Melodei“ ( V. 15-16) prägt ihre Stimme und potenziert ihre Anziehungskraft, die Zuhörer und Betrachter nachhaltig gefangen nimmt. An dieser Stelle erfährt das Gedicht eine inhaltliche und formelle Zäsur. Ursächlich hierfür ist der fließende Übergang des geschilderten Szenarios, das sich von einer zauberhaften, positiv anmutenden Atmosphäre in eine dämonische Stimmung wandelt. Demzufolge verfügt die Lorelei über eine mystische und geheimnisvolle Aura , die sie unterstützt durch ihre Stimme beliebig intensivieren und ins Unermessliche steigern kann. Sobald der Schiffer in seinem “ kleinen Schiffe“ ( V.17) die Stimme der Lorelei vernimmt, “ ergreift es ( ihn) mit wildem Weh“ ( V.18). Ab diesem Zeitpunkt wird er ausschließlich von seiner Begierde; “ dem wilden Weh“ getrieben, sodass sein Handeln lediglich von seinem sehnsüchtigen Drang nach der Konfrontation bzw. der Begegnung mit der Lorelei geprägt ist.

Er ist nicht mehr Herr seines Selbst, sondern Sklave seiner Sehnsucht, die er um jeden Preis stillen möchte. Dies unterstreicht die Anapher “ Er schaut nicht die Felsenriffe/ Er schaut nur hinauf in die Höh`“ ( V. 19-20). Seiner Begierde folgend, die das lyrische Ich mitleidig mit dem negativ besetztem Begriff “ wildes Weh“ umschreibt, steht der Schiffer, der durch die sirenenhafte Stimme der Lorelei seiner Selbst entmündigt ist, hilflos gegenüber ( V. 17-20). Die wohlklingende Stimme des engelsgleichen Wesens umnebelt Wahrnehmungsvermögen und Verstand des Schiffers vollständig. In der Folge findet sich der Schiffer, der sich hilflos von der Gier nach einer Begegnung mit der Lorelei hat treiben lassen, mit dem Abgrund seines menschlichen Daseins konfrontiert. Seine unnachgiebige Sehnsucht nach dem engelsgleichen Wesen treibt ihn in den Tod. Dies belegt die Personifikation ; “ …, die Welten verschlingen/ Am Ende Schiffer und Kahn,…“ ; ( V.21-22).

Hat dir der Beitrag gefallen?