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Woyzek Charakterisierung vom Doktor – Beispiel

In Büchners Woyzeck bildet der Doktor eine der Hauptfiguren. Er gehört, anders als Woyzeck, der höheren Gesellschaft an und repräsentiert das Bürgertum beispielhaft. Büchner nutzt die Figur des Doktors für seine Gesellschaftskritik. Der Doktor wird nicht als individueller Charakter, als Privatperson dargestellt. Büchner verleiht dieser Figur keinen eigenen Namen sondern nennt lediglich dessen Berufsstand. Die Figur des Doktors bleibt seelenlos, gleichsam eine „leere Hülle“ und agiert lediglich durch seine Handlungen und Äußerungen. Der Doktor verkörpert in Büchners Werk den Idealismus. Er glaubt an die Vorherrschaft des Geistes. Von diesem werden die körperlichen Bedürfnisse beherrscht. Der Mensch agiert, nach dem Weltbild des Doktors, unabhängig von allen Umweltbedingungen. Büchner gestaltete den Doktor nach einem seiner Professoren an der Gießener Universität, der während Büchners Medizinstudium dort lehrte.

Charaktereigenschaften des Doktors

Das ausgeprägte Interesse des Doktors gilt den Naturwissenschaften und seiner Forschung. Woyzeck, den der Doktor für seine Experimente benutzt, erscheint ihm eher als Objekt denn als Mensch. Negative Auswirkungen des Experiments auf Woyzecks Gesundheit werden vom Doktor billigend in Kauf genommen. Der Doktor wird als skrupelloser Wissenschaftler dargestellt. Die Verschlechterung der physischen und psychischen Verfassung Woyzecks honoriert der Doktor indem er seinen Sold erhöht. Maßnahmen, um Woyzecks Zustand zu verbessern ergreift er hingegen nicht. Er interessiert sich nicht für Woyzecks Gesundheit sondern richtet all seine Aufmerksamkeit auf seine Forschung. Der Doktor wird als leicht reizbar, mit sadistischen Neigungen geschildert. Dies äußert sich darin, dass er es liebt, anderen mit der Diagnose ihres medizinischen Zustandes einen Schrecken einzujagen und Woyzeck wiederholt öffentlich demütigt. Zynisch und unmenschlich verhält er sich auch gegenüber anderen Patienten, die er als interessante Präparate bezeichnet.

Er verhält sich hochmütig; nutzt eine Vielzahl von Fachbegriffen, um seine höhere Bildung zum Ausdruck zu bringen. Die Verwendung nichtexistierender Fachtermini, beispielsweise „Hyperoxidul“ verweist jedoch darauf, dass diese Qualifikation, insbesondere für den Beruf des Arztes, nicht wirklich gegeben ist. Ebenso verfällt er teilweise in seinen hessischen Dialekt und nutzt Begriffe aus der Fäkalsprache, zum Beispiel „pissen“, was seine Zugehörigkeit zur Bildungselite infrage stellt. Der Doktor wird der Verpflichtung seines Berufsstandes, Menschen zu helfen und für deren Wohlbefinden zu sorgen, nicht gerecht; vielmehr nutzt er Woyzeck für seine Zwecke aus.

Experiment des Doktors

Das in Büchners Werk beschriebe Experiment, das der Doktor an Woyzeck ausführt, geht zurück auf Untersuchungen des Chemikers Justus Freiherr von Liebig. Dieser wollte im Jahre 1833 herausfinden, ob die Ernährung mit Fleisch durch die Ernährung mit Hülsenfrüchten ersetzt werden könnte und führte entsprechende Versuche an Soldaten durch. Im Ergebnis der Versuche von Liebigs kam es aufgrund der einseitigen Ernährung bei den Probanden zu ausgeprägten Mangel- und gar Vergiftungserscheinungen. Diese äußerten sich in geistiger Verwirrtheit und Halluzinationen.
Im Rahmen der sogenannten „Erbsen-Diät“, die der Doktor Woyzeck verordnet, ist es Woyzeck nicht gestattet, über drei Monate hinweg andere Nahrungsmittel als Erbsen zu sich zu nehmen. Der Doktor untersucht die physische und psychische Verfassung Woyzecks regelmäßig und protokolliert dies. So misst er seinen Puls, führt Befragungen durch, beobachtet sein Verhalten und nimmt Urinproben. In diesem Kontext ist Woyzeck verpflichtet, dem Doktor sämtlichen Urin für dessen Untersuchungen zur Verfügung zu stellen. Auch bei Woyzeck stellen sich die oben beschriebenen Symptome ein. Die deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes Woyzecks wird vom Doktor erkannt. Dennoch führt dieser sein Experiment unbeirrt fort.

Funktion der Figur des Doktors

Der zentrale Konflikt der Handlung in Büchners Werk besteht in der Ausnutzung der beiden Hauptfiguren – Woyzeck und Marie – durch andere, gesellschaftlich höher gestellte Personen. Durch ihre niedrige gesellschaftliche Stellung sind sie diesen unterlegen. Die Figur des Doktors verstärkt das Moment der Ausnutzung, indem er mit Woyzeck zu seinem Spielball macht. Er führt menschenverachtende Experimente an ihm durch. Woyzeck wird von der Figur des Doktors gleichsam zum Objekt gemacht und damit entmenschlicht. Das Agieren des Doktors illustriert die soziale Ungerechtigkeit der gesellschaftlichen Situation.

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