Siddhartha. Eine indische Dichtung – Inhaltsangabe / Zusammenfassung

Die 1922 erschienene Erzählung „Siddhartha. Eine indische Dichtung“ von Hermann Hesse handelt von der Selbstbefreiung eines jungen Mannes aus der Fremdbestimmung. Dabei erzählt sie die fiktive Lebensgeschichte Buddhas und von dessen Suche nach Erkenntnis.

Erster Teil: vom Beginn einer Reise

Siddhartha ist ein junger Brahmane, der aufgrund seiner Wissbegier von seinem Vater in Gebeten, Ritualen und religiösen Geboten unterrichtet wird. Bereits jetzt lässt sich erkennen, dass Großes vor ihm liegt. Allerdings ist Siddhartha selbst mit seinem Leben eher unzufrieden. Sein Leben will er lieber der Suche nach Erkenntnis widmen, da er sieht, wie viele, trotz reinigender Gebete und Rituale, nicht von ihren Sünden reingewaschen werden. Seine Suche führt ihn gemeinsam mit seinem Freund Govinda zu den Samanas, denen er sich anschließt und so zu einem Asket wird.

Die Samanas leben ohne Besitz und halten lange Fastenzeiten, da sie das irdische Leben geringschätzen. Bei ihnen überwindet Siddhartha für eine kurze Zeit das Ich und nimmt andere Gestalten an. Was er jedoch nicht findet, sind die Wege ins Nirwana, weswegen er bald erkennt, dass ihn dieses Leben der Samana nicht weiterbringt.

Zusammen mit Govinda macht er sich erneut auf den Weg und sucht nach Gotama, dem Buddha, von dem er erfährt, dass er ein Weiser des Sakyageschlechts ist und es geschafft haben soll, das Nirwana zu erreichen. Als er Gotama kennenlernt, erkennt er die Richtigkeit seiner Lehren. Gleichzeitig wird ihm aber auch klar, dass er durch diese Lehren nicht selbst zum Buddha werden kann, sondern die Erkenntnis und dieses Ziel nur durch eigene Erfahrungen seiner Erlebnisse erlangen kann. Während sich Govinda dem Buddha anschließt, reist Siddhartha weiter.

Während seiner Weiterreise lässt er nicht nur Govinda und den Buddha zurück, sondern auch seine Vergangenheit. War er bisher auf der Suche nach Wegen ins Nirwana und der Möglichkeit, das Ich zu überwinden, sucht er nun nicht mehr nach solchen Lehren, sondern ist auf der Suche nach sich selbst und will sich dabei besser kennenlernen. Er beginnt ein neues Leben.

Zweiter Teil: von der Suche nach sich selbst

Auf seiner Reise nimmt Siddhartha seine Umgebung in all ihrer Variation intensiv wahr. Etwas, was ihm unter den Lehren der Samanas nicht möglich war. Er trifft auf einen Fährmann, der ihm bei der Überquerung eines Flusses hilft und erreicht eine große Stadt, wo er der Kurtisane Kamala begegnet. Diese bittet er, ihn in der Kunst der Liebe zu unterrichten, und wird dafür mit Hilfe des reichen Kamaswami zum Kaufmann.

Siddhartha ist gut in dem, was er tut, da er mit Menschen umzugehen weiß und durch seine Lehren bei den Samanas sehr geduldig ist. Durch seine Beziehung zu Kamala lebt er mit dieser unter den „dem irdischen Leben ergebenen Menschen“, die er „Kindermenschen“ nennt. Ihnen und deren Streben nach Erfolg wird er nach und nach immer ähnlicher, während sowohl sein Einfluss in der Stadt als auch sein Reichtum steigt. Mit der Zeit fühlt er sich jedoch müde und lustlos, bis er durch einen Traum wieder an seine Suche nach Erkenntnis erinnert wird und sich deswegen erneut auf die Reise begibt. Kamala verlässt er ohne zu wissen, dass sie sein Kind erwartet.

Siddhartha wünscht sich den Tod, um seinem sinnlosen und überdrüssigen Leben zu entkommen. Als er sich im Fluss ertränken will, erkennt er im letzten Moment, dass er sich von seinem Ziel, das Nirwana zu erreichen, mit einem Selbstmord nur noch weiter entfernen würde, da er anschließend wiedergeboren würde. Er beginnt zu meditieren, bis er in einen erholsamen und heilenden Schlaf fällt. Bei seinem Erwachen sitzt sein alter Freund Govinda neben ihm, der noch nicht zum Buddha geworden ist und mit anderen Jüngern von Gotama das Land bereist. Aufgrund seiner neuen, teuren Kleidung erkennt Govinda Siddhartha zunächst nicht. Erst als dieser ihn an ihre Vergangenheit und die Vergänglichkeit der Gestalt erinnert, erkennt er seinen alten Freund aus Kindheitstagen.

Zusammen sinnieren sie über Siddharthas bisherige Erlebnisse und Erkenntnisse. Siddhartha bereut seinen Hochmut und sein ausschweifendes Leben, das ihn von seinem Ziel fortgetrieben hat. Er erkennt, dass er wieder ganz am Anfang steht und wagt den Beginn eines weiteren neuen Lebens.

So trifft er erneut auf den Fährmann Vasudeva, der ihn einst über den Fluss gebracht und eine erneute Begegnung prophezeit hat. Er nimmt Siddhartha als Lehrling auf und lehrt ihn nicht nur das Fährhandwerk, sondern auch wie er dem Fluss lauscht, um Erleuchtung zu finden. Während er dem Fluss lauscht und von diesem lernt, hört er das heilige „Om“ und Siddhartha schafft es, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in ihrer Gleichzeitigkeit zu spüren.

Eines Tages trifft er dann am Fluss Kamala wieder, die sich einem Strom von Pilgern angeschlossen hat, die auf dem Weg zu dem sterbenden Buddha Gotama sind. An ihrer Seite ist ihr gemeinsamer, elfjähriger Sohn. Da Kamala von einer Schlange gebissen wird, stirbt sie noch am Flussufer, woraufhin Siddhartha seinen Sohn, der denselben Namen trägt, aufnimmt und ihn ein Leben der Ruhe und Bescheidenheit lehren will.

Siddharthas Sohn, der bisher nur Bequemlichkeit und Luxus gewöhnt ist, tut sich schwer mit dem neuen Lebensstil seines Vaters. Dadurch entfernt sich sein Sohn jedoch nur weiter von ihm, bis er über den Fluss zurück in seine Heimatstadt flieht.

Obwohl ihm Vasudeva davon abrät, folgt Siddhartha seinem Sohn, sucht ihn jedoch vergeblich. Schließlich erkennt er, dass er seinen Sohn ziehen lassen muss, um selbst seinem Ziel und dem Weg ins Nirwana näher zu kommen. Nur langsam reift in ihm die Erkenntnis, was Weisheit ist. Wieder lauscht er dem Fluss, bis er erkennt, dass dieser sich trotz eines stetigen Wandels immer treu bleibt und immer noch der gleiche Fluss ist. In diesem Konflikt sieht sich Siddhartha auch selbst und sein Leben. Gemeinsam mit Vasudeva erlangt er die Erleuchtung, worauf der alte Fährmann sich zum Sterben verabschiedet und Siddhartha seine Arbeit überlässt.

Der Erleuchtete und der Suchende

Ein letztes Mal treffen sich Siddhartha, der die Erleuchtung gefunden hat, und sein Freund Govinda, der immer noch auf der Suche danach ist. Govinda bittet ihn, ihm seine Lehren und sein Wissen zu vermitteln. Allerdings versteht Govinda diese nicht, sodass Siddhartha ihm für einen winzigen Moment Einsicht gewährt. So sieht auch Govinda die wahre Natur der Dinge und die Einheit der Zeiten und Wesen. In einem letzten Augenblick sieht Govinda in seinem alten Freund einen Heiligen, der endlich die Erleuchtung erlangt und die Vollendung erreicht hat.