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Der Trafikant – Inhaltsangabe/Zusammenfassung

  • by Anatoli Bauer

Kurzer Inhaltsüberblick

„Der „Trafikant“ ist ein zeitgenössischer Roman von Robert Seethaler. Er beschreibt das Leben des Jungen Franz Huchel, der mit 17 Jahren nach Wien zieht und sein altes Leben im Salzkammergut verlässt, um in der großen Stadt eine Lehre als Trafikant anzutreten. Es handelt sich um das Wien zu Beginn und während des zweiten Weltkrieges. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden eines Jungen vom Land in politisch schwierigen und lebensgefährlichen Zeiten. Besonders erwähnenswert ist, dass es Franz Huchel gelingt, nicht nur mit Anezka, einer Prostituierten, sondern insbesondere auch mit Sigmund Freud eine Freundschaft aufzubauen.

Noch in Nussdorf am Attersee

Franz Huchel und seine Mutter leben in Nussdorf am Attersee in Österreich. Ihr beider Lebensunterhalt wird durch den Reichen Alois Preininger finanziert, mit dem sie sich immer wieder zu einem kurzen Liebesabenteuer trifft. Regelmäßig erhalten die beiden am Monatsende genug Geld, damit sie sich sowohl ein kleines Haus am See, sowie einen guten Lebensstandard leisten können. Als Alois Preininger unvermutet durch einen Blitz erschlagen wird, als er etwas betrunken im See schwimmt, wird das Leben auch für Franz Huchel und seine Mutter schwieriger, da ihre regelmäßige Geldquelle damit wegfällt. Obwohl Franz schon 17 Jahre alt ist, vermutet die Mutter, dass man ihn für die körperliche Arbeit rund um Nussdorf kaum nehmen wird. Er habe immer noch ganz zarte Hände. Sie erinnert sich aber an einen alten Bekannten, der einmal einen Sommer am Attersee verbracht hat und der ihr noch einen Gefallen schulde. Diesen Gefallen fordert sie ein und bittet Otto Trsnjek, ihrem Franz in dessen Wiener Tabaktrafik, einem Geschäft für Tabakwaren, Zeitschriften, Zeitungen, aber auch Fahrscheine, eine Stelle als Lehrling zu geben. Da die Mutter mit Otto Trsnjek schon alles geklärt und auch den Fahrschein nach Wien besorgt hat, fährt Franz gleich am nächsten Tag.

Ankunft in Wien

Für Franz ist die Ankunft in Wien zuerst überwältigend. Die Stadt scheint in ständiger Bewegung zu sein, es ist laut und lärmig, und es stinkt. Franz orientiert sich an der Wegbeschreibung der Mutter und macht sich auf den Weg zur Tabaktrafik und zu seinem neuen Leben. Im Geschäft angekommen, lernt er nun Otto Trsnjek kennen, der ihn in die Arbeit einführt. Von nun an steht Franz jeden Morgen pünktlich um sechs Uhr im Laden sein und die Kundschaft der Trafik zu bedienen.

Eines Tages lernt Franz den Professor Sigmund Freud kennen, der sich ab und zu Zigarren sowie die Zeitschrift «Die neue freie Presse» im Laden kauft. Otto Trsnjek erzählt Franz, nachdem der alte Mann den Laden wieder verlassen hatte, dass dieser ein «richtiger» Professor sei und die Köpfe der Menschen richtig rücken könne. Er habe aber ein Problem und dass sei, dass er Jude sei. Hier wird Franz zum ersten Mal offen mit der Thematik der Judenfeindlichkeit konfrontiert und er merkt, dass ihm nicht klar ist, was es damit auf sich hat. Da der alte Mann aber versehentlich seinen Hut im Laden liegen lassen hat, Franz dies noch rechtzeitig bemerkt, rennt er ihm hinterher. Franz begleitet den Professor sogar bis zu dessen Haustüre, da sich ein interessantes Gespräch zwischen beiden entwickelt, in dessen Verlauf Sigmund Freud dem Jungen den Rat gibt, sich doch lieber des Lebens zu freuen und sich ein Mädchen zu suchen. Dieser Rat ermutigt Franz und bringt ihn sehr bald dazu, den Wiener Prater zu besuchen, um dort Ausschau zu halten. Er lernt dort auch ein böhmisches Mädchen, Anezka, kennen, die ihm gefällt und in die er sich auch bald verliebt. Allerdings ist ihm nicht klar, dass Anezka ein leichtes Mädchen ist und sich Männer aussucht, die ihr ein gutes Leben finanzieren können. Sobald Franz ihr eingesteht, dass er nun kein Geld mehr habe, verschwindet sie mit der Ausrede, kurz auf die Toilette zu müssen. Es vergeht eine Weile, bis Franz merkt, dass sie ihn zurückgelassen hat.
Während Franz versucht, Anezka wieder zu finden, wird der politische Ton in Wien rauer. Die Trafik von Otto Trsnjek wird mit Tierblut beschmiert, er wird als «Judenfreund» bezeichnet, dennoch lässt sich dieser nicht beirren und bedient nach wie vor jüdische Kunden. Die Nazis gewinnen in Wien zusehends an Einfluss. Langsam stellt sich heraus, wer welche politische Gesinnung vertritt und vor wem man sich in Acht nehmen muss. Bald darauf taucht die Gestapo – die Geheime Staatspolizei – auf, nimmt Trsnjek mit und wenig später verstirbt dieser unter ungeklärten Umständen. Franz findet dies ungerecht und versucht immer wieder, Gerechtigkeit herzustellen. Zudem übernimmt er nun die Trafik. Er merkt, dass auch er sich in Acht nehmen muss, will aber die nach und nach entstehende Freundschaft zu Sigmund Freud keineswegs aufgeben. In der Zwischenzeit findet er auch Anezka wieder, die sich aber mit SS-Soldaten eingelassen hat. Franz ist von ihr enttäuscht und wendet sich von ihr ab. Nach und nach spitzt sich die Situation nun für jüdische Menschen und ihre Angehörigen zu, immer mehr werden durch die Gestapo zum Verhör abgeholt. Sigmund Freud beschließt, Wien mit seiner Familie zu verlassen.

Das Ende

Was mit Franz schließlich weiter geschieht, wird indirekt berichtet, in dem ein Besucher oder eine Besucherin von einem Laden in der Nähe der Trafik von den nächtlichen Begebenheiten berichtet, die sich zugetragen haben sollen. So soll Franz wohl die mittlere Fahne mit dem Hakenkreuz gekappt und stattdessen eine braune Bundhose mit Bügelfalten hochgezogen haben. Es sind die Hosen von Otto Trsnjek. Der Junge wird am nächsten Tag ebenfalls von der Gestapo abgeholt.
Die Mutter, die keine Briefe mehr von ihrem Sohn erhält, ahnt, dass etwas Schlimmes geschehen sein muss.

Anezka kommt sechs Jahre später an der seit langem verlassenen Trafik vorbei. Sie hat bis zu diesem Zeitpunkt überlebt. Der Laden ist in einem jämmerlichen Zustand. Sie findet einen Zettel, den Franz geschrieben und ins Schaufenster gelegt hat, nimmt ihn an sich und verlässt den Laden eilig, weil sie das Brummen der sich nähernden Fliegermotoren wahrnimmt.

Hintergrundwissen zum Autor

Robert Seethaler ist ein österreichischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler. Er wurde 1966 geboren. Vor der Erscheinung des Romans «Der Trafikant» im Jahr 2012 hatte er bereits drei weitere Romane veröffentlicht. Die Romane «Der Trafikant» und «Ein ganzes Leben», erschienen 2014, machen ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt.