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The Giver Hüter der Erinnerung- Inhaltsangabe / Zusammenfassung

  • by Anatoli Bauer

Das Buch „The Giver“ von Lois Lowry handelt von einer Utopie. Die gleichgeschaltete Gemeinschaft, die in dem Roman vorgestellt wird, lebt isoliert vom Rest der Welt. In dieser Gemeinschaft existieren weder Krieg, Leid noch Tod. Die Mitglieder der Gemeinschaft kennen keinen Schmerz, keine Arbeitslosigkeit und keinen Rassismus.

Die Gemeinschaft

Die Gesellschaft im Buch „The Giver“ lebt nach strengen Regeln und ist perfekt organisiert. Das Leben jedes Einzelnen ist überwacht und gänzlich vorbestimmt. Jeder erhält die gleichen Aufgaben und lebt zu den gleichen Bedingungen. Individualität wurde abgeschafft. Außerdem wird das Leben der Mitglieder in Abschnitte eingeteilt und von der Geburt bis zum Tod genau durchgetaktet. So erhält beispielsweise jedes Kind, das den neunten Abschnitt erreicht hat, ein eigenes Fahrrad, um sich fortbewegen zu können.

Die Ehepaare werden von den Ältesten ausgesucht. Jedes Paar erhält zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Die Babys werden den Ehepaaren von den Ältesten zugeteilt. Die Mitglieder der Gesellschaft wohnen alle in den baugleichen Häusern. Zu jeder Mahlzeit wird allen Mitgliedern das gleiche Essen nach Hause gebracht.

Tiere oder so etwas wie Jahreszeiten existieren nicht. Daran stört sich aber niemand, denn keiner der Mitglieder der Gemeinschaft hat eine Erinnerung oder Ahnung, wie es vor der Erschaffung der Gleichheit gewesen ist.

Wer gegen Regeln verstößt oder ein bestimmtes Alter erreicht, wird freigegeben und nach Anderswo geschickt. Was es mit diesem Ort auf sich hat und was genau mit der Freigebung gemeint ist, darüber wird der Leser zu Beginn des Romans im Unklaren gelassen.

Die Figuren

Jonas ist der Protagonist des Romans. Während er am Abend gemeinsam mit seiner Familie am Tisch zusammenkommt, erzählt jeder von den Gefühlen, die er oder sie den Tag über verspürt haben. Dies ist ein Ritual, dass die Familie jedes Mal beim Abendessen vollzieht.

Jonas ist etwas nervös, denn für ihn steht bald die Zeremonie der Zwölf an. Bei dieser Zeremonie wird jedem Kind der Gemeinschaft, das den zwölften Lebensabschnitt erreicht hat, eine Aufgabe zugeteilt. Auch für Jonas ist es bald so weit. Damit für jeden die passende Aufgabe gefunden werden kann, werden alle Einwohner von den Ältesten beobachtet. Jonas‘ Vater verbrachte damals seine gesamte Freizeit bei den Neugeborenen, sodass er später als Erzieher eingesetzt wurde. Er erzählt Jonas, dass er ebenso aufgeregt war, obwohl er bereits ahnte, welche Aufgabe ihm zugeteilt werden würde.

Der Vater erzählt zudem seiner Familie von einem kleinen Baby auf der Säuglingsstation, auf der er arbeitet. Dieses wächst nicht so schnell wie die anderen Kinder und er befürchtet, dass es vielleicht freigegeben werden könnte. Aus diesem Grund nimmt er das Baby mit dem Namen Gabriel abends mit zu seiner Familie nach Hause. Damit verstößt er aber gegen geltende Regeln der Gemeinschaft.

Besonders Lily, Jonas‘ kleinere Schwester, ist von Gabriel ganz besonders angetan. Sie äußert den Wunsch, später auch als leibliche Mutter eingesetzt zu werden. Die Mutter, die bei Gericht arbeitet, erzählt ihr aber, dass die Aufgabe einer leiblichen Mutter in ihrer Gemeinschaft nicht hoch angesehen ist. In drei Jahren müssen drei Kinder geboren werden. Danach muss die Frau solange arbeiten, bis sie irgendwann alt genug ist, um freigegeben werden zu können.
Jonas hilft zusammen mit seinem Freund Asher in einer Art Altersheim aus, wo sie sich um die älteren Menschen kümmern. Auch die gleichaltrige Fiona arbeitet dort.

Ein weiteres Ritual in der Gemeinschaft ist es, jeden Morgen den anderen Familienmitgliedern von seinen Träumen zu erzählen. Jonas berichtet seiner Mutter, dass er von Fiona geträumt hat und in dem Traum aufgrund einer Lappalie wütend auf sie wurde. Daraufhin gibt ihm seine Mutter eine Tablette. Sie erklärt ihm, dass es nun an der Zeit ist, diese zu nehmen und sagt ihm auch, dass er sein gesamtes Leben lang diese Tabletten nehmen muss. Keinesfalls dürfe er auch nur eine vergessen.
Eines Tages fällt Jonas ein Apfel auf. Dieser sieht für ihn plötzlich ganz anders aus, was sich Jonas nicht erklären kann. Bereits an dieser Stelle wird deutlich, dass sich Jonas von den anderen aus der Gemeinschaft abhebt und besondere Fähigkeiten besitzt.

Die Zeremonie der Zwölf

Bei der Zeremonie der Zwölf soll Jonas, wie alle anderen Kinder, die den zwölften Lebensabschnitt erreichen, seine Berufung erhalten. Die Kinder werden zuvor von den Ältesten beobachtet und erhalten abhängig von ihren Vorlieben und Interessen ihr berufliche Aufgabe zugeteilt. Während Jonas‘ Freunde ihre Berufe erhalten, wird ihm gesagt, er sei etwas ganz Besonderes. Er bekommt keinen Job zugeteilt, sondern zum Hüter der Erinnerung auserkoren. Diese Aufgabe ist in der Gemeinschaft hoch angesehen, doch weiß niemand so recht, wofür der Hüter der Erinnerung zuständig ist, denn dieser wohnt allein und abseits der anderen.
Zentraler Glaubenssatz der Gemeinschaft im Buch ist die Herstellung der Gleichheit in der Gesellschaft. Jeder hat dieselben Aufgaben und Pflichten. Den Mitgliedern der Gemeinschaft werden alle Entscheidungen abgenommen, weil Individualität weder erwünscht noch gestattet ist. Aus diesem Grund wurden den Menschen die Erinnerungen an die Zeit vor der Einführung der Gleichheit genommen. Nur eine Person, der Hüter der Erinnerung, kann auf alle Erinnerungen zugreifen. Ihm kommt die Aufgabe zu, die Ältesten bei schwierigen Entscheidungen zu unterstützen, da er mit seinen Kenntnissen bereits früher gemachte Fehler vermeiden und so den Frieden in der Gemeinschaft wahren kann. Nun soll Jonas vom bisherigen Hüter der Erinnerung lernen und anschließend dessen Aufgabe übernehmen.

Die Arbeit als Hüter der Erinnerung

Jonas lernt den sogenannten Geber kennen, der der jetzige Hüter der Erinnerung ist. Die Aufgabe des Gebers ist es, Jonas all seine Erinnerungen zu übertragen, damit Jonas der neue Hüter der Erinnerung werden kann. Der Geber zeigt Jonas mittels Telepathie eine erste Erinnerung. Das führt dazu, dass Jonas zum ersten Mal die Erfahrung macht, mit einem Schlitten einen Berg hinunterzufahren. Er sieht und erlebt zum ersten Mal so etwas wie die Kälte des Schnees und die Freude an der Schlittenfahrt. Der Geber übermittelt ihn eine weitere Erinnerung. Jonas hat das Gefühl, auf einer Wiese zu liegen und wärmende Sonnenstrahlen im Gesicht zu spüren. Er erfährt zum ersten Mal das Gefühl eines Sonnenbrandes. So erlebt er erstmalig, was Schmerz überhaupt bedeutet. All diese Empfindungen sind ihm bisher verwehrt geblieben. Jonas ist restlos begeistert von all diesen neuen Eindrücken, aber er ist auch überfordert. Noch nie zuvor hat er Freude, Schmerz oder Liebe spüren können.

Eine neue Sicht auf die Dinge

Als Jonas ein paar Tage später auf Fiona trifft, erkennt er, dass ihre Haare plötzlich ganz anders aussehen. Er kann es nicht einordnen, aber er hat dasselbe Gefühl wie an dem Tag, als er den Apfel in der Hand hielt. Er erzählt dem Geber von seinem Erlebnis und dieser erklärt ihm, dass die Gegenstände für Jonas nun anders aussehen, weil er endlich beginnt, Farben erkennen und voneinander unterscheiden zu können. In diesem Fall hat Jonas zum ersten Mal die Farbe Rot erkannt.
An diesem Punkt macht sich in Jonas zum ersten Mal Skepsis breit, denn während er plötzlich Farben voneinander unterscheiden kann, ist die Welt für alle anderen Mitglieder der Gemeinschaft, um Gleichheit zu schaffen trist und grau. Hier erfährt auch der Leser erstmalig, dass die Mitglieder der Gemeinschaft nicht fähig sind, Farben zu erkennen.

Jonas erhält durch seine Arbeit mit dem Geber immer neue Erinnerungen. Er erfährt, was eine Geburtstagsfeier ist und sieht das Farbspektrum eines Regenbogens. Leider muss er auch die Erfahrung machen, was Krieg und Leid mit Menschen machen. Diese vielen Erinnerungen führen dazu, dass er sein Leben und die Gemeinschaft plötzlich mit anderen Augen sieht, während alle um ihn herum gleich geblieben sind. Alle anderen können weder Farben sehen, noch wissen sie, wie sich Freude oder Schmerz anfühlen. Das Leben, was er kannte und was er bisher geführt hat, ist nicht mehr so perfekt wie er einst dachte. Jonas empfindet tiefes Mitleid für seine Mitmenschen, die ein so ärmliches Leben führen und nicht mal in der Lage sind, dies zu erkennen.
Beispielsweise fragt er seine Eltern, ob sie ihn lieben würden. Doch diese lachen nur, denn für sie ist das Wort Liebe nur eine abstrakte Bezeichnung.
Jonas führt mit dem Geber lebhafte Diskussionen, denn er ist der Überzeugung, dass die Gleichheit nicht gut für die Gemeinschaft ist und fragt sich, was wäre, wenn alle Menschen selbst wählen und entscheiden dürften. Der Geber sagt ihm, dass nur Gleichheit den Frieden wahrt. Würde keine Gleichheit herrschen, könnten die Menschen falsche Entscheidungen treffen und es könnte wieder Kriege und viel Leid geben. Nach außen hin gibt sich Jonas mit dieser Erklärung zufrieden, aber innerlich ist er sich nicht sicher, ob es wirklich besser ist, den Leuten die Wahl zu nehmen. Jonas versucht seinen Freunden und anderen Menschen seine gewonnenen Erinnerungen weiterzugeben und ihnen zu zeigen, was Farben sind, allerdings ist dies nicht möglich. Er fühlt sich zunehmen unverstanden.

Das Baby Gabriel hat in der Entwicklung noch immer nicht aufgeholt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gabriel bald freigegeben wird. Auch wenn Jonas am Anfang mit dem Kind nicht viel anfangen konnte, baut er nun immer mehr eine Verbindung zu ihm auf. Jonas findet heraus, dass er in der Lage ist, dem Baby Erinnerungen weiterzugeben. So zeigt er dem kleinen Gabriel von Zeit zu Zeit beruhigende Erinnerungen, um ihm zu erklären, was Liebe und Freude sind, auch wenn Gabriel noch zu klein ist, um es wirklich zu verstehen.

Höhepunkt der Handlung

Jonas hat herausgefunden, dass vor zehn Jahren eine junge Frau mit dem Namen Rosemary Hüterin der Erinnerung werden sollte. Allerdings ist ihre Ausbildung aus irgendeinem Grund fehlgeschlagen. Der Geber erzählt Jonas nur widerwillig, was passiert ist. Jonas erfährt, dass Rosemary der Aufgabe als Hüterin der Erinnerung nicht gewachsen war und sich freiwillig zur Freigabe gemeldet hat. Am Ende des Buches erfährt der Leser, dass es sich bei Rosemary um die Tochter des Gebers gehandelt hat und diese unter der Last und dem Leid der Erinnerungen zusammengebrochen ist.

Der Vater von Jonas ist derweil dazu gezwungen, ein Baby freizugeben. Dieses ist ein Zwilling und wird nur freigegeben, weil es seinem Zwillingsbruder später zu ähnlichsehen könnte. Auf diese Weise könnten andere Mitglieder der Gemeinschaft verwirrt werden. Von dieser Handlung angestachelt, bittet Jonas den Geber, ihm die Freigabe zu erklären. So erfährt Jonas, dass das kleine Baby von seinem Vater mittels einer Giftspritze getötet und danach achtlos weggeworfen wurde. Für den Vater von Jonas ist die Freigabe eine normale Handlung, die zu seinem beruflichen Tätigkeitsfeld gehört, denn in seinem Weltbild ist kein Platz für den Tod. Er kann nichts mit dem Begriff oder der Bedeutung anfangen. Er kennt weder Leid noch Trauer. Jonas dagegen ist zutiefst geschockt. Er weint und trauert um das sinnlos genommene Menschenleben.

Umdenken

Jonas kann und möchte unter den Umständen, die er durch seine Tätigkeit als zukünftiger Hüter der Erinnerung erst erkannt hat, nicht leben. Er fragt sich, wie er je ein erfülltes Leben führen kann, jetzt, wo er weiß, wie sich Schmerz und Freude anfühlen. Er kennt nun schöne, aber auch traurige Erlebnisse und kann nicht damit leben, dass alle um ihn herum keine Ahnung von diesen Gefühlen haben.

In Absprache mit dem Geber beschließt Jonas, die Gemeinschaft und sein gewohntes Leben zu verlassen. Als er mitbekommt, dass das Baby Gabriel freigegeben werden soll, weiß er, dass auch dieses Kind von seinem eigenen Vater getötet und in den Müll geworfen werden wird. Das möchte Jonas unter gar keinen Umständen zulassen. Er eilt zur Säuglingsstation und holt Gabriel. Gemeinsam fliehen sie auf seinem Fahrrad. Tagsüber müssen sich beide verstecken, da mit Flugzeugen und Wärmesensoren nach ihnen gesucht wird. Nur nachts traut sich Jonas weiterzulaufen. Er sucht verzweifelt und frierend nach Anderswo. Irgendwann fängt es an zu schneien, sodass die Weiterfahrt mit dem Fahrrad unmöglich und zu gefährlich wird. Er beschließt mit Gabriel zu Fuß weiterzugehen. Auf dem Gipfel eines Hügels sieht er genau den Schlitten, den er an seinem ersten Tag vom Geber gezeigt bekommen hat. Mit Gabriel im Arm fährt Jonas den schneebedeckten Hügel hinunter. Das Buch endet damit, dass Jonas Lichter und vereinzelte Häuser erkennt. In weiter Ferne hört er Musik. Es ist das erste Mal, dass Jonas erfährt, wie Musik klingt. Ob Jonas lediglich halluziniert oder tatsächlich Anderswo gefunden hat, bleibt offen.